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Italienisch mit Anstehen – Vapiano

Ich esse gern. Ich esse auch gerne viel. Lange. Ausschweifend. Buffetartige Vielfalt, wenn ich die Wahl habe, und ich es selbst bereite. Besonders beim Frühstück. Wenn Zeit ist. Am Wochenende.

Heute musste ich auch mittags essen. Muss ich immer. Doch heute war es anders. Wir hatten es schon länger vor uns hergeschoben. Vapiano. Eine Art italienischer McDonald. Eine Hipster Kantine. Die Mensa für Jura-Studenten. Wir gehen ins V A P I A N O. Ich muss dabei an den Aschaffenburger Schick denken. Aschaffenburg ist das wahre Italien. Das Nizza von Unterfranken. Esprrrrresso. Rollen mit der Zunge an den Schneidezähnen so wie beim Tiäitsch.

Aschaffenburg Wetter heute auch am Fuße des Harzes. Der Biergarten des Vapiano liegt mittags im Schatten des eigenen Gebäudes. Wir gehen also rein. Das muss man sowieso. Denn das Vapiano kocht live. Die freundliche junge Dame am Eingang überreicht mir eine Magnetkarte. Sie wissen wir das hier funktioniert? Klar. Sage ich, wie gewohnt Kompetenz vortäuschend. Es ist Mittagpause. Die Zeit für Abenteuer.

Die erste Hürde. Menschen vor mir, die auch essen wollen. Eine Art Schlange. Es ist nicht mein erstes mal hier, und doch lange genug nicht, um mich nicht an den Schock erinnern zu können. Ich will essen, und stehe in einer Schlange. Nicht bei meinen kurdischen Freunden mit den türkischen Spezialitäten. Sondern im V A P I A N O. Was gibt es denn? Markus zeigt auf die kleinen Aufsteller auf dem Tresen, ebenso Gewandtheit vortäuschend wie ich. Drei Gerichte? Ich brauche mehr Optionen. Ich finde dann eine Karte. Zum Glück mehr Gerichte. Ich entscheide mich für die Spaghetti aio Oilo. Das ist wie bei der Pizza Magherita. Das kann nur ein wirklich schlechter Koch verhauen. Dann aber richtig. Es gibt vier Optionen Schlange zum Anstellen. Es ist wirklich wie beim Mac oder Bürger King. Man kann nur die falsche Schlange erwischen.

Ich stelle mich hinter die Französin, und gebe ihr emotional leicht das Gefühl sich vorgedrängelt zu haben. Sie bestellt umständlich. Sie ist zierlich und trägt eine dicke schwarze Brille. Und natürlich spricht sie das deutsch so französisch, dass sie keine Kompetenz vorzutäuschen braucht. Das Häschen/Helfer Syndrom ist aktiviert. Die Koch/Servicekraft ist hilfsbereit. Sie kriegen es hin.

Markus hat aufgegeben. Er ist zur Pizzatheke hin verschwunden. Dort steht niemand. Triumphierend wedelt er mit so einem Pieper, mit dem von der Theke aus das fertige Essen anrufen kann.

Der Koch/Servicekraft fragt mich tatsächlich schon, was ich essen will. Ich sage meinen Spaghettigericht Namen, den ich, weil ich einen ich komme aus dem Osten und spreche es bestimmt falsch aus Minderwertigkeitskomplex habe, immer nuschele. Ich kann auch nicht Genre sagen. Schoangre. Schanger. Oder Flirten. Schlimme Worte.

Und ich möchte Salat. Den Salat Mini fragt er. Mini und essen geht eigentlich nicht zusammen. Ich mache mir immer Sorgen das es zu wenig ist. Wenn ich Gäste habe, fahre ich noch dreimal in den Supermarkt, um sicher zu gehen.

Sicherheitshalber deute ich auf den Salat in der Karte. Er nickt. Ich bin beruhigt. Dann sagt er: Bei mir hier gibt’s aber nur den Salat Mini. Ansonsten muss ich extra an den Salattresen? Vollende ich seinen Satz. Er nickt wieder. Also den Salat Mini sage ich. Noch gar nicht frustriert. Muss am Wetter liegen. Mache mir jetzt natürlich um so mehr Sorgen, dass es nicht reicht. Und eine Tomatensuppe. Ordere ich nach. Er nickt. Vor meinen Augen schneidet er jetzt Knoblauch in dicke Stücke. Petersilie? Chillie? Auch Parmesan? Alles, grunze ich hungrig. Vor meinen Augen kochen macht Appetit.

Ich halte meine Magnetkarte an den Tresen. Verführerisch. Einfach alles aufbuchen lassen. Zufrieden über meine drei Schüsseln auf dem Tablett steuere ich Richtung Tisch.

Keine Lehnen, damit man nicht zu lange sitzt bemerke ich. Es schmeckt. Ich werde früh wieder Hunger bekommen, aber es schmeckt. Nach Knoblauch Nudeln und Tomatensuppe muss es Espresso sein. Doppelt, weil keine halben Sachen. Also hoch. Die Kaffeetheke ansteuern. Hier keine Schlange. Große Tassen. Schnaps und Liköre. Ich verkneife mir letzteres, und schwenke mit meinem neuen Tablett wieder Richtung Tisch.

Gehen. Menschen die draußen essen wollen, verstopfen den Ausgang und die Kasse. Die nächste Schlange. Magnetkarte über den Tresen. Für wen ist hier eigentlich das Trinkgeld?

Die ersten nackten Beine haben Glanzstrumpfhosen an.

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