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LoveRevolution

Wir haben den Homekurs LoveRevolution mit in den Urlaub genommen. Statt als erstes die Espresso Maschine auf den Propangaskocher zu stellen, oder mit ein paar Euro zur Camping Zentrale zu stolpern, um frische Croissants und Baguette zu holen, animiert Veit Lindau über den Tag bestimmte Aspekte von Beziehung zu betrachten. Objekte des Kurses sind dabei nahe Beziehungen. Meine Opfer sind dabei meine Frau und meine Kinder. Das Spannende an Beziehung ist: man kann nicht nicht in Beziehung sein. Auch eine lieblose Beziehung ist eine Beziehung. Die Frage ist, wie viel Verantwortung an dieser Beziehung wollen wir übernehmen. Wie bewusst wollen wir die Beziehung mitgestalten, und was davon überlassen wir dem Zufall. Ein fruchtbares Feld für einen Beziehungsignoranten.

Die Jüngste hat heute Geburtstag. Am Geburtstag unserer Kinder wird immer ein Riesenbohei gemacht. Neben den drei Sorten Müsli im Glas haben wir Taschen voller Geschenke dabei. Und Luftballons. Die Kinder lieben Luftballons. Die werden behandelt wie Familienmitglieder. Nach der letzten Mensch Ärger dich nicht Session, bei der der Zwerg dann auch endlich eingeschlafen ist, werden mit der Fußballpumpe noch Ballons aufgeblasen und überall im Zelt verteilt. Nebst Happy Birthday Girlande und Miniatur Tibet Wimpel.

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Meine Frau hat eine unglaublich freudige Einstellung zu Geburtstagen. Die Kinder freuen sich auf ihren wie auf Weihnachten, und Anke feiert ihren genau so. Der Tag an dem man was ganz besonders ist. Ein Feiertag. Ich habe diesem Ehrentag, meinem, eine eher ambivalente Haltung gegenüber. Eine Mischung aus falscher Erwartung und falscher Bescheidenheit. Ich fühle mich dann wie ein Fettnäpfchen, in das mein Umfeld nur reintreten kann. Den Kindern geht das zum Glück nicht so. Sie fordern diesen Tag ein und werden volle Kanne dabei unterstützt. Singen. Hochleben lassen. Papiergirlanden.

Unser Zelt ist hier die Partyhochburg. Bis abends spät Flüche und Verwünschungen beim Brettspielbattle. Morgens teutonische Gesänge und Hochrufe. Wo immer wir sind. Wir sind die lautesten Nachbarn. Zumindest was Geräusche angeht, die organisches Leben von sich gibt. Andere Nachbarn sind auch laut. Zum Beispiel mit Rasenmähern. Oder Geräten zum Hecke stutzen. Zum Glück hat hier niemand so was dabei. (Wir hätten so was dabei wenn wir diesem Fetisch fröhnen würden.) Wir feiern Geburtstag immer hier in unsern Frankreich. Meint die Jüngste. Sag das nicht so laut. Denke ich. Die Franzosen sehen das nicht so. Doch für sie ist es das Land wo man Geburtstag feiert. Ihren.

Diese Gegend hier ist berühmt dafür mit Schlauchbooten den wilden Fluss hinunter zu fahren. Wir haben unser Boot auch dabei. Es ist Gelb. Und zwei Paddel. Heute raften wir auch. Und weil wir immer mehrere Stunden Rüstzeit brauchen für so ein Unterfangen, beeilen wir uns einfach mal. Weswegen wir essenzielle Dinge nicht im Boot haben, als wir ablegen. Schwimmwesten und Helme. Und wenn ich ehrlich bin. Wir haben gar keine. Nur Schwimmflügel für das Jüngste. Die sind auch nicht dabei. Dafür haben sie heute oberhalb des Tals das Wehr aufgemacht. Was für ordentliche Strömung sorgt. Am Anfang johlen noch alle. In der ersten Biegung ist es dann ganz schön schnell. Immer Bio kaufen und dann das Leben leichtsinnig beim Paddeln wagen. Jetzt wissen wir auch, was das für Sirenen sind, die hier täglich durch das Tal jaulen. Das ist die Wasserwacht, die Camper wie uns aus dem Fluss fischen muss. Familien die sich an steile Felswände klammern, an die die reisende Strömung sie gedrückt hat. Mit weit aufgerissenen Augen, paralysiert auf den nächsten Wasserfall gerichtet. (Nein Mama, es gibt hier gar keine Wasserfälle.)

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Die Strömung drückt uns ins Gebüsch. Nur ins Gebüsch. Keine Strudel, keine Wasserfälle. Ich hör es schon zischen. Das Gebüsch hat unser Boot sicher der Länge nach aufgeschlitzt. Das Geburtstagskind kreischt. Alle kreischen mit. Ich springe ins Wasser. Es reicht bis zur Hüfte. Meine Frau scheibt das Boot hastig aus dem Gestrüpp. Jetzt ertrinke ich doch noch beinahe. Leg dich nicht mit einer Mutter an, die ihre Babys im Schlauchboot aus dem Gebüsch schiebt. Auf dem Trockenen angelangt, hat das Boot keinen Kratzer abbekommen. Menschen mit Live-Jackets und Integralhelmen kommen jetzt auf riesigen Booten den Fluss runtergefahren. Pussies.

Der LoveRevolution Kurs trägt den Untertitel „Die Kunst lebendiger Beziehung“. Dabei geht es nicht nur um die Beziehungen zu Menschen, sondern um in Beziehung sein. Wie man sich auf das Leben bezieht. Wie sehr es einen etwas angeht, was um einen herum passiert. Was es mit einem selbst zu tun hat. Es ist einfach, die Kinder am Geburtstag eines Geschwisters sanft dazu anzuhalten, großzügig und wohlwollend mit dem Geburtstagskind zu sein. Ich muss mich immer wieder dazu ermahnen, dass meine Kids die ganze Zeit Geburtstagskinder sind. Dass das, wie sie miteinander sind, der Wald ist aus dem es zurück schallt. Außer beim Mensch ärger dich nicht. Da gibt es kein Pardon.

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2 Gedanken zu „LoveRevolution“

  1. kommt ja heile heim! da bekommt man richtig bammel um euch :-). doch ihr habt spass und davon ne ganze menge, beruhigt mich. liebe gruesse an die bande und wir sehen uns mit vielem neuen bald wieder

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