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Memento mori II

Das Wichtigste ist es, die Kinder in den Mittelpunkt des Lebens zu rücken. So lange sie klein sind, und ein Nest und Aufmerksamkeit brauchen. Kohle muss nur so viel da sein, dass Leberwurst auf dem Brot ist und Benzin im Tank, um sie in die in die Schule zu fahren. Grüne Veganer mit Gluten Allergie setzen hier das Fahrzeug ihrer Wahl und das Speisependant zu Leberwurst ein. Auf alle Fälle sollte Familie nicht am Rande des Lebens statt finden, wenn man eine hat.

Zur Geburt meiner jüngsten Tochter steckte ich gerade mal wieder in einem unheimlich wichtigen Webprojekt, das uns wieder mal schnell unglaublich reich machen sollte. Ich hatte meine Gewerke schon ausbezahlt, der Hauptauftraggeber wollte mich aber nicht bezahlen. Ich stand also mit einem 5-stellig überzogenen Firmenkonto und einer frisch Geborenen auf dem Balkon des Neu-Bethlehem und telefonierte Geld hinterher. Ein Moment für den ich mir heute noch in den Arsch beißen könnte.

Heute stand ich vor der Tür des Tätowierers meiner Wahl. Wir machen Baby-Pause, stand auf dem Zettel in der Tür. Ich selbst bin gerade bereit für mein erstes Tattoo. Memento mori in Fraktur. Auf den Unterarm.

Ich habe das Gefühl, dass ich mir in den letzten Jahren nicht oft genug vor Augen geführt habe, dass meine Zeit auf Erden endlich ist. Das ich oft Unklarheit und Betäubung und falsche Sicherheit gewählt habe. Das Tattoo soll mich daran erinnern, meine Zeit nicht mehr zu verplempern. Das zu wählen, was ich liebe. Nicht bei Dingen einzurasten, die bequem sind, aber das Herz verschließen.

Der Tätowierer hat also Babypause. Vier Wochen. Ich hätte verächtlich geschnaubt, wenn meine Frau so was vorgeschlagen hätte. Ich hab das Gefühl alles am Laufen halten zu müssen. Heute bin ich neidisch. Ich lebe noch, und es gibt schon Sachen die ich bereuen kann.

So ein Tattoo, das kann man nie früh genug im Leben haben.

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7 Gedanken zu „Memento mori II“

  1. Hola Compagnero, ich finde es schön, das du über dich schreibst und kein Blabla aus 2. Quelle, das du dich zeigst und auf die sonnendurchflutete Lichtung stellst. Wir sind seit der Geburt im Liebestaumel, hab mir die Zeit genommen und auch noch ein paar Wochen weiter, yeah. Es braucht Zeit, sich gegenseitig kennen zu lernen. Ich nehme mir die Zeit, genau hinzuhorchen, um optimal mit dem Baby kommunizieren zu können. Is geil mit Oskar, vielleicht kreuzen sich ja mal bald die Wege, bis denne. Helge

  2. Die Geschichte mit dem fünf-stelligen Ausstand in der nicht genommenen Babyzeit kenne ich auch. Da gibt es wohl einen Zusammenhang 😉

    Danke für deine Worte!

    LG,
    Kristin

  3. Hi Daniel
    Danke für deine Geschichten. Du schreibst erfrischend. Dein Stil gefällt mir. Es gibt (auch) einige Dinge, die ich bereue… Mein Sohn ist inzwischen 23 und ich bin alleinerziehend gewesen…. da bleibt manches auf der Strecke. Hätte ich mal nur an die Leberwurst-Geschichte gedacht….
    Anyway – ich möchte mir auch ein Erinner-Dich-Tatoo machen lassen. Das wartet auf Erfüllung. Aber der Text muss noch reifen…. irgendwie.
    Ich schicke dir einen wachen Gruss, Ulrike

    1. Danke Ulrike.
      Ich wollte eigentlich gar nicht unbedingt ein Tattoo.
      Jetzt war es auf einmal klar. Termin ist nächste Woche. :)

  4. Lieber Daniel, ich kann dich so gut verstehen und danke dir fürs teilen deiner sehr persönlichen Erfharung. Mir geht es gerade jetzt ähnlich. Deine Worte machen Mut, sich auf das Leben einzulassen und die Geschenke, die es mit sich bringt. Ich freue mich auf dein Tattoo Foto, lieben Gruß, Timm

  5. Hallo Hausherr,
    wenn ein Text mit den Worten „Kindern“ anfängt, (und ich das Gefühl habe, das er was positives beinhaltet), bin ich dabei ;o)
    Auch mir fällt es leider zu oft viel zu leicht zu sagen „ich muss arbeiten“, „gleich“, „nachher“, „einen Moment noch“.
    Und im nächsten Augenblick sind in paar Jahre vergangen und man denkt Sh**t, diese Zeit habe ich gar nicht intensiv mit den Kids (ich nenne sie die Hobbitse) genutzt. Ok, kommt vor. Aber wenn ich mir den (Pseudo)Grund anschaue, wieso ich es nicht gemacht habe, wird mir mulmig.

    Ja klar, ich musste arbeiten. Ich wollte vor Dir, lieber Hausherr reich werden ;o) Also so richtig reich. So reich, wie es noch keiner vor mir war. Ich hatte sogar bei den Herrn Investoren Glück, Zufall und Wahrscheinlichkeit vorgesprochen. Es war alles in Sack und Tüten…der Vertrag war unterschriftsreif.

    Wie großartig, dass ich mit meinen (noch) kleinen Hobbitse niemals in eine kalte, unemotionale „Geschäftsbeziehung“ treten werden. Ich gehe ein Stück mit ihnen gemeinsam. Memento mori. Ja, das Leben bietet die besten Tatoovorlagen!

    Danke Dir!

    P.S: Keep calm and get some ink! ;o)

    1. Danke lieber Frank, für deine sehr persönliche Antwort.
      Man (ich) neigt da ja sehr schnell zu Extremen und möchte
      ab jetzt nur das eine, statt das andere.

      Und eine Motivation rauszugehen, und nicht da zu sein,
      ist ja, gut für sie zu sorgen.

      Mögen wir eine gute Balance finden.

      Herzlich
      Daniel

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