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Hanf Prohibition Legalize

Sand im Getriebe der Hanf Prohibition

Unsere Gesellschaft wie sie gerade ist, tut nur liberal. Ist sie aber nicht. In unserer Welt gibt es immer noch Menschen, die glauben, bestimmen zu müssen, was für andere gut ist. Oder schlecht. Mit wenig Motivation zu hinterfragen, ob die Dinge, die vor 30 oder 50 Jahren vermeintlich galten, heute immer noch aktuell sind. Ich als Hedonist spreche da vor allem von der Hanf Prohibition, die aus den USA übernommen wurde, und heute noch gilt. Selbst wenn Besitz und Konsum heute nahezu straffrei sind, und das ganze recht locker aussieht, wie es gerade gehandhabt wird, so kommen die Ordnungshüter doch über die Hintertür wieder rein. In dem sie dem Konsumenten von THC haltigen Produkten zum Beispiel die Fähigkeit ein Fahrzeug zu führen absprechen. Wenn ich das hier vertiefen wollte, würde ich in diese blöde Diskussion verwickelt werden, die Alkohol gegen THC aufwiegt und Statistiken bringt, wie viel mehr Tote es im Straßenverkehr durch Besoffene als durch Kiffer gab. Aber ich möchte keine Droge gegen die andere aufwiegen. Ich bin auch der Meinung, dass wovon auch immer breit, keiner ein Fahrzeug führen sollte, der drauf ist. Aber ich bin der Meinung, dass die Ordnungshüter, die mündigen, Steuern zahlenden Bürgern Freiheit in der Drogenwahl absprechen, hier eine gewisse Konsequenz walten lassen sollten. Und da das nicht bedeuten kann, dass Alkohol auch noch unter die Prohibition fällt, bedeutet es, dass man sich hier entweder locker macht, oder sich die Wirkungen von THC hinsichtlich Führen von Maschinen einfach etwas genauer anschaut. So ist der Bürger aber der Willkür von hoch konservativen Richtern ausgesetzt, die über eine Sache entscheiden, die sie nur aus der Regenbogenpresse kennen, nie aber den Arsch in der Hose hatten, einen Selbstversuch zu wagen.
Das war der politische Teil. Jetzt kommt der hedonistische.

Produkte die THC enthalten gibt es in verschiedensten Darreichungsformen von verschiedener Qualität und Herkunft. Jeder für die Drogen anderer offene Weinkenner, weiß wovon ich rede. Jedes Gras, jedes Haschisch oder Öl hat verschiedene Wirkungsspektren. Das hängt mit dem Verhältnis von CBD zu THC zusammen, und davon ab, ob das Produkt aus Cannabis Indica oder Cannabis Sativa gewonnen wurde. CBD ist der entspannte Bruder vom THC, und dafür verantwortlich, das Kiffen entspannt, müde oder schläfrig machen kann. Das THC ist der psychoaktive Wirkstoff und für den High zuständig. Es beschert dem Konsumenten Inspiration und kreative Schübe, und wenn man schlecht drauf ist auch mal den einen oder anderen Angstzustand und Gefühle von Beklemmung. Das heißt, nicht jede Tüte die man angeboten bekommt, wirkt genau so wie die letzte. Das hängt mit dem illegalen Markt zusammen, auf dem der geneigte Cannabis Freund seine Ware einkaufen muss.

Ein illegaler Markt ist starken Produktschwankungen unterworfen. Und da ich nicht einfach in den Hanfladen spazieren kann, so wie in die Kaffeerösterei, habe ich keine Möglichkeit, für ein zwei Euro mehr, dass nächst bessere Gras zu kaufen. Ich muss nehmen, was ich bekomme. Und das kann alles sein. Holländisches Hightech Gras, das 300% mehr THC enthält, als ein Gras, das an einem Südhang im Erzgebirge gewachsen ist. Mäusescheiße mit ein paar Flachsfasern. Schlechtes Gras, das mit Haarspray besprüht wird, um hohen Harzanteil vorzutäuschen. Sand im Haschisch, um mehr Gewicht auf die Waage zu bringen. Und und und. Für einen Genießer eigentlich die Hölle.

Wenn Schokolade in Deutschland illegal wäre, hätten wir das gleiche Bild. Menschen müssten sich in Gefahr begeben, Schokolade aus der Schweiz über die Grenzen zu schmuggeln. Dann würden Kartelle die Schokolade wieder einschmelzen, Kakaofett, Milchpulver und etwas Feinsand dazu geben, und das Ganze in neue Blöcke pressen. Solange es noch ausreichend nach Schokolade schmeckt, würde man es kaufen. Wird der Anteil an Feinsand immer höher, verzichtet man lieber. So findet sich ein Gleichgewicht, das ganz knapp unter Schlecht liegt. Ware die noch genießbar ist, aber weit unter dem, was sie sein könnte. Weit weg vom vollen Genuss. Kaum unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Und hier findet für den Genießer der eigentlich Frevel statt. In der nicht Bestimmbarkeit des Marktes durch die Wahl des Produktes.

In unserem Haushalt kaufen wir seit vielen Jahren überwiegend Bioprodukte. Anfangs war es zum Beispiel nur das Obst, später sogar die Nudeln. Bei Wurst für die Schulbrote musste es irgendwann Naturland Wurst sein, weil meiner Frau die Bedingungen unter denen normale EU-Bio Tiere gehalten wurden, noch zu wenig artgerecht waren. Dieses Konsumverhalten über das vor 15 Jahren noch gelacht wurde, ist Mainstream geworden, und selbst zur Primetime der öffentlich rechtlichen laufen Reportagen, die Massentierhaltung anprangern und Kommunalgärten zur Gewinnung handgepflegten Biogemüses anpreisen. Bald wird Vegan das neue Bio sein. Fleischesser werden in der Dämmerung einkaufen gehen. Erst an der sehr klein gewordenen Theke in der dunkelsten Ecke des Supermarktes. Dann in kleinen Läden ohne Auslage im Vorort. Immer in Angst lebend, von militanten Tierschützern als Mörder beschimpft und verprügelt zu werden. Dann wird Fleisch von Tieren ganz vom Markt verschwinden. Es wird ein Schwarzmarkt entstehen. Mit Fleisch von Tieren fragwürdiger Herkunft. Die in Verstecken gehalten wurden, oder über Umwege und auf langen Transportwegen in Hinterhof Metzgereien gelangen. Auf welche Art sie dort hingekommen sind, und woher sie stammen, ist für den, der auf diese Art von Nahrung steht nicht mehr nachvollziehbar. Und die vegane Mainstream-Regenbogenpresse wird sie perverse Mörder nennen, die einer obszönen Lust frönen und Fotoapparate in ihre Kühlschränke halten.

Wenn ich Glück hatte, sind mit der veganen Welle auch ein paar Kiffer mit auf den Richterstuhl gelangt. Bei all den grünen Smoothies, Tierliebe und Vegankochbüchern ist es irgendwann etwas peinlich und antiquiert, eine Pflanze und deren Produkte für illegal zu erklären. Dort wo früher Metzgerläden waren, entstehen mehr und mehr Coffeeshops. Geschäfte in denen Kenner und Genießer ihren geneigten Kunden ein großes Spektrum guter Ware sämtlicher Provenienzen anbieten können. Die Typen hinter dem Tresen haben auch nicht zwangsläufig gestreifte Schlaghosen an oder tragen Rastas. Und man wird auch nicht automatisch geduzt.

In der Auslage finde ich 70 verschiedene Sorten. Nach Wirkung gekennzeichnet, mit Herkunftssiegel. Ich kann Produkte aus konventionellen Anbau im Treibhaus, mit Wuchsbeschleuniger und Genveränderung erwerben. Das nun recht günstig ist und von LKW aus Holland oder Mecklenburg Vorpommern gebracht wird. Von dem man am nächsten Tag einen Kopf hat, der sich wie eine zu enge Badekappe anfühlt, wogegen man nur durch das Rauchen von mehr von dem Zeug ankommt. Das Wiesenhof Produkt unter den Cannabis Sorten. Oder ich kaufe mir für 14 Euro das Gramm ein Sativa von einem Bio Bauern, das ich am Wochenende rauche, um eine Reise ins Ich zu machen. Es gibt ein Heft zum Produkt dazu, auf dem man den Bauern neben seinen Pflanzen sieht. Ein Text klärt auf, wo die Ursprünge seiner Pflanzen sind, und wie er sie pflegt und mit Brennnesseljauche vor Blattläusen schützt. Dann nehme ich mir gegen meine Schlafstörungen noch ein paar Gramm eines Indica mit. Wieder mit Broschüre, weil meine Frau immer wissen will, wo das Zeug herkommt. Es ist ein Wiederaufbauprojekt von Göttinger Landwirtschaftstudenten. Hemp for Nepal. 80% des Erlöses gehen in den Aufbau von Schulen nach dem schweren Erdbeben 2015. Macht 76 Euro insgesamt. 14 Euro davon sind Mehrwertsteuer. Acht Euro sind Genusssteuer. Zweiundzwanzig Euro gehen an den Staat. Einen Staat, in dem ich gerne Steuern zahle.

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Ein Gedanke zu „Sand im Getriebe der Hanf Prohibition“

  1. Hey Melle, alles Gute euch im Urlaub, schön mal ein paar Zeilen von euch zu lesen. Wir liegen fast den ganzen Tag im Bett, Carcason spielen, Stillen, Töpfchen, Windeln, nackt sein und kuscheln, Oskar ist der Bringer, juhuu und die Katze ist auch dabei, die sich von dem Kampf mit den Grasmilben erholt. Freu mich, mal wieder ein Hanfbier mit dir zu sniefen, Grüsse an die Ferne und deine wunderbare Familie, love Helge

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