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Selbstjustiz im Nahverkehr

So ein Busfahrer ist auch ein bisschen Hilfspolizist. Ein bisschen SA. Blockwart. Einer von denen, der die Bürger vor sich selbst beschützt. Mit einer gehörigen Portion Misstrauen. Das braucht man in dem Job. Die wollen alle bescheißen. Diese Irren, die hier Bus fahren wollen. In meinem Bus. Kann ja jeder kommen.

Vielleicht haben sie ja die Auflage jeden zu filzen. Jeden am Besten noch nach seiner Postleitzahl zu fragen. Ist der wirklich berechtigt befördert zu werden?

Ich lebe ja eigentlich ein Leben, in dem ich mich selbst befördere. Von A nach B, und wenn gerade genug Aufträge da sind, auch mal eine Gehaltklasse höher. Zur Zeit werde ich befördert. Ich habe was das angeht auch schon den Gleichmut einer Hindukuh entwickelt. Mich hingegeben. Fast widerstandslos.

Mein Hilfsscheriff zieht bei jedem Fahrgast eine Fresse.

Wo wollen SIE denn hin?

Das ist hier aber nicht der Stadtbus.

Kleiner hammses nicht?

Wenn es sein Mund nicht sagt, dann sagt es sein Gesicht.
Jetzt ist einer dieser Fahrgäste nicht schnell genug aufgestanden. Der Scheriff schnauzt ihn an. Sie haben wohl den Beruf verfehlt? Schreit der „Fahrgast“ zurück. Das hat er, denke ich. Knastaufseher wäre passender gewesen. Dann denke ich: das machen die hier alle für mich. Die spüren, dass ich das in Echtzeit mitschreibe, und wollen ihre fünf Minuten Ruhm.
Mein SA Mann will jetzt gar nicht so ein schlechter Kerl sein. Er winkt ständig junge Frauen vor sich in den Stau. Wenn die dann strahlend wedeln, schaut er so, als ob das ganz selbstverständlich wäre, so ein Netter zu sein.

Manche Leute hat das Leben einfach gebeutelt. Vielleicht ist jemand gestorben, den er geliebt hat. Vielleicht muss er Bus fahren, weil er einen Beruf in dem er gut war, nicht mehr ausüben kann. Wahrscheinlich ist er einfach nur ein Arschloch.
Ich klappe meinen Rechner zu und gehe nach vorn.

Ich habe mir das jetzt vier Wochen lang angeschaut, sage ich. Ich habe die Schnauze voll, dass so übellaunige Arschlöcher wie du, Macht über andere Menschen ausüben. Du steigst jetzt aus. Ich fahre den Bus.

Er wird weiß wie eine Kalkwand. Was … stottert er. Ich … Er nestelt an irgendetwas. So eine große Taschenlampe, wie sie die Security Leute am Gürtel tragen, die keine Knarre haben dürfen, schätze ich. Oder ein Walkie Talkie. Was immer es auch ist: die Pfoten weg! Sage ich bestimmt. Nicht zu laut. Du machst jetzt die Tür auf. Er zieht jetzt wieder seine dürftig überlegene Miene. Ich drücke den roten Knopf neben seinem Lenkrad selbst. Ich habe oft genug in der ersten Reihe gesessen. Ich kenne jeden Kniff. Pfffssstch. Gehen die hydraulischen Türen auf. Ich schnappe das Würstchen am Kragen und werfe ihn auf den Fußweg. Du Arschloch! Ruft er mit weinerlicher Stimme. Ich rufe die Polizei!

Ich lache, und lasse mich auf den bequemen Fahrersitz plumpsen. Alles geht hier automatisch. Brumm. Hurtig geht es durchs Gartetal. Die verbliebenen Passagiere jauchzen wie in der Achterbahn. Direkt vor meinem Haus bleibe ich stehen.

Wollen Sie den Rest bis nach Hause fahren? Frage ich den alten Mann, der vorhin hinter mir gesessen hat.
Danke sagt er, das wollte ich schon immer mal.

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