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hose

Von Einem der lernt, seine Sporthose selbst aus der Tasche zu räumen

Neulich habe ich meine Sporttasche einfach im Hauseingang stehen lassen. Meine Frau hat mir meine Sachen dann hinterher geräumt. Wenn man die Sportsachen nämlich Nass ein paar Tage stehen lässt, lassen sich astreine Essigkulturen züchten. Das hinterhältige an diesen Essigkulturen ist, dass man sie an der trockenen Hose nicht mehr wahrnimmt. Nicht mehr riecht. Aber sobald sich die Körpertemperatur erhöht, erwachen sie zu leben. Und das riecht man dann. Oder der Personal Trainer. Oder das ganze Studio.
Meine Frau weiß das, und will das nicht. Ich weiß das auch. Oh danke Schatz, du hast meine Tasche ausgeräumt. Ich freue mich.
Dann muss ich zum Sport. Ich packe meine Sachen ein. Handtuch. Wechselwäsche. Alles in den Kofferraum. Die Kinder antreiben. Los.

In der Firma geparkt. Tasche. Klappe zu. Nach 100 Metern eine Ahnung. Handtuch. Check. Wechselklamotten. Check. Fuck die Hose! Reiß mir die Tasche runter. Wühle. Fuck! Die Hose. Ist nicht da. Ich nehme mein Handy. Rufe die Frau an. Empört. Hast du die Hose raus. Vorwurfsvoll.
Sie sagt ja. Ich weiß es. Tu aber überrascht. Wie kann die Hose nicht da sein. Die Tasche war leer. Nur Turnschuhe. Neongrüne Turnschuhe. Turnschuhe die man mögen muss, um sie zu mögen. Sie sagt, es tut mir leid. Sich zu entschuldigen heißt nicht, dass man Recht hat. Es heißt, dass dem der sich entschuldigt die Beziehung mehr Wert ist als Recht zu haben.

Während des Telefonierens bin ich dreimal die gleiche Strecke hin und zurück gelaufen. Bestrafe ich meine Frau, wenn ich nicht zum Sport gehe? Wem nützt es wenn ich nicht gehe? So, wegen dir kann ich nicht zum Sport. Aber die haben doch Hosen dort. Sagt sie. Nein haben sie nicht. Aus Prinzip nicht. Weil du die Hose aus der Tasche hast. Haben die keine Hosen im Fitnessclub. So. Ich entscheide mich noch zweimal um. Ich entscheide mich dafür, dass sie im Fitnessclub Hosen haben. Ich entscheide mich zum Sport zu gehen. Keine Ausrede, außer keine Lust.

Im Club. Die Blonde mit dem Vogelgesicht, aber sehenswertem Ausschnitt. Immer ein bisschen an der Grenze zur schlechten Laune, aber bereit sich mit einem Spruch auflockern zu lassen. Man muss sie frontal nehmen. Keine Angst zeigen. Dann ist sie die Charmanteste vom ganzen Personal.

Die Zeit ist reif für eine zweite Sporthose. Es ist nicht der erste Morgen, an dem ich mit halbleerer Tasche aufschlage. Das Handtuchset und das Fitness First T-Shirt sind auch schon in meinen Besitz übergewechselt.
Kurze Panik. Handtücher. T-Shirts. Sogar Jacken. Keine Hosen.

Ich brauche eine Hose. Sag ich zu der Blonden. Sie sagt, da sind doch Hosen. Ich sage: nur die, die der Typ an hat. Ich meine die Puppe. Ich zieh sie ihm jetzt aus. Sie sagt, dass würde nichts aussehen, wenn der Typ da so ohne Hose im Foyer steht. Mir ist das gleich. Ich zieh ihn aus. Sie springt zum Regal. Keine Hose.

Welche Größe hast du? Fragt sie. Ich zucke mit den Achseln und drehe mich kokett um die eigene Achse. Jetzt ist sie zu allem bereit. Sie stürzt ins Lager. Triumphierend ist sie nach einer Minute wieder da. Ist aber nicht billig. Sagt sie. So viele Auf und Ab an einem Morgen. Ich zahle jeden Preis. Ich will hier als Sieger raus. Sie sagt einen Preis. Ich lächle gelassen. Lege meine Karte auf den Tresen. Der Tag gehört mir.

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